4. Fläming-Burgenradtour

vom 01.10. - 03.10.2016

1. Etappe am 01.10.2016

von Jüterbog nach Petkus und wieder zurück


 

1. Etappe der 4. FBRT



In diesem Jahr wollten wir mal auf neuen Wegen den Niederen Fläming erkunden.

So begrüßte die rund 85 Radfahrer am Morgen der Ritter Hans Hake von Stülpe vor dem Mönchenkloster in Jüterbog. Bekannt wurde er durch die Geschichte, bei Johann Tetzel einen Ablassbrief erworben zu haben, für bereits verübte und zukünftige Sünden und dann am nächsten Tag eben diesen Tetzel unter Verweis auf den Ablassbrief überfallen und der Barschaft aus dem Ablasshandel beraubt zu haben.

Derart mit neuem geschichtlichen Wissen ausgerüstet, schickte besagter Ritter die Teilnehmer der 1. Etappe bei leicht beginnendem Regen auf die Skaterstrecke. Zunächst noch recht frohgemut, änderte sich bei vielen der Gemütszustand mit zunehmender, die Bekleidung durchdringender Nässe. Überwiegend auf der Flämingskate, abseits der Verkehrsstraßen ging es Richtung Petkus. Als wir dann gegen 12.00 Uhr beim geplanten Zwischenstopp im Stammhaus besagten Ritters in Schloss Stülpe (durch einen Unfall auf der Strecke verspätet, es musste auf den Krankenwagen gewartet werden) ankamen, waren viele der Radfahrer bis auf die "Knochen" durchnässt. Da half auch die freundliche Führung durch den Schlossherrn nicht mehr viel, die Stimmung aufzuhellen. Dank unserer Stossgebete zu Petrus hörte es aber anschließend wieder auf zu regnen und der Großteil der Teilnehmer setzte seinen Weg zum Gutshaus Petkus (heute Skaterhotel) fort. Dort erwarteten uns bereits unsere beiden Gaukler und ein schmackhaftes Mittagessen. Inspiriert duch die Figur des tatsächlichen Hans Kohlhaas und der daraus resultierenden literarischen Figur des Michael Kohlhaas von Heinrich von Kleist, erzählten uns die beiden diese Geschichte in "leicht " verkürzter Form auf sehr unterhaltsame Weise in drei Akten an drei Tagen.

- Also Hans Michael Kohlhaas war mit zwei Reitpferden (Drahtesel!) auf dem Weg nach Leipzig, da er diese dort verkaufen wollte. Junker Tonka hatte auf seinem Gebiet eine Schranke errichtet und verlangte 20 Gulden Wegezoll, die Kohlhaas noch nicht hatte. Also gab es dem Junker eines der Pferde zum Pfand, um es auf dem Rückweg mit dem Erlös aus dem Verkauf des zweiten Pferdes wieder auszulösen. Der Junker behandelte das Pferd aber in der Zwischenzeit sehr schlecht, so dass der Kohlhaas ein völlig runtergekommenes, klappriges Pferd (Kinderroller) zurück erhielt, das darauf auch noch verstarb. So hatte Kohlhaas weder Geld noch Pferd und machte sich auf den Weg nach Leipzig zum Richter, um Gerechtigkeit zu fordern.

Wie es weiter ging erfuhren wir am nächsten Tag.

Gut gestärkt und ohne Regen ging es dann wieder auf die Skaterstrecke zurück nach Jüterbog. Allerdings waren doch fast alle ziemlich durchnässt durch den morgendlichen Regen, so dass wir eine Abkürzung zurück nahmen und die verlorenen Zeit vom Morgen wieder aufholen konnten.

Wieder in Jüterbog angekommen hatten alle die Möglichkeit noch an Stadtführungen, einem Konzert im Kulturquartier "Mönchenkloster" oder am Oktoberfest auf dem Marktplatz teilzunehmen, wovon auch einige Gebrauch machten. Besonders das Konzert fand sehr guten Anklang und wurde gelobt.

Wir erkundigten uns noch bei der Frau des Verunfallten und erfuhren, dass der Sturz doch schlimmere Folgen hatte, als zunächst vermutet. Mit einem Oberschenkelhalsbruch fiel er nicht nur die anderen Tage aus, sondern wurde auch noch am gleichen Tag im Krankenhaus Luckenwalde operiert. Auch von dieser Stelle noch einmal im Namen aller Teilnehmer die besten Genesungswünsche.



2. Etappe am 02.10.2016

von Jüterbog nach Hohenseefeld über

Schloss Wiepersdorf und zurück


 

 

 

 

2. Etappe der 4. FBRT


Am 2. Oktober trafen alle frohgemut wieder am Startplatz, diesmal bei strahlendem Sonnenschein, an. Ein Vertreter der alten Stadtwache begrüßte uns und schickte die rund 75 Teilnehmer auf die Strecke. Bedingt durch das tolle Wetter ging es besser gelaunt über die Flämingskate bis nach Schloss Wiepersdorf. Dort wurden wir freundlich empfangen und hatten Gelegenheit uns den Park, die Kirche und das Museum anzusehen. Besonders sehenswert waren auch die letzten Ruhestätten von Bettina und Achim von Arnim dem Schriftstellerehepaar aus der Biedermeierzeit und aus dem Freundeskreis von Goethe. Leider reichte auch hier die Zeit nicht aus, um alles tiefgründig zu erforschen. Aber es sollen ja während der Tour auch nur Anregungen gegeben werden zum Wiederkommen. Da ich selbst das alles sehr interessant fand, habe ich doch glatt vergessen dort Fotos zu machen - sorry. ;)

Anschließend ging es zum Mittagessen nach Hohenseefeld zu "Apels alter Mühle", wo der Wirt schon alles wunderbar vorbereitet hatte. Selbstgemachter Kartoffelsalat und leckere preisgekrönte Würstchen mundeten allen. Auch für unsere zwei Vegetarierer wurden von den jeweiligen Küchen nach Anfrage separate Essen gereicht.

Unsere Gaukler Olivarius und Geronimo erwarteten uns auch bereits mit dem zweiten Teil ihrer Geschichte um Hans Michael Kohlhaas.

- Besagter Kohlhaas machte sich also auf den Weg nach Leipzig, um beim dortigen Richter Gerechtigkeit gegen den Junker Tonka einzufordern. Der Richter fand diese Angelegenheit eher lustig, versprach aber sich die Sache durch den Kopf gehen zu lassen und dem Kohlhaas schriftlich ein Urteil zukommen zu lassen. Kohlhaas auf seinem Bauernhof mit der Geburt eines Fohlen (Miniaturfahrrad) beschäftigt, erhält Post vom Richter und erfährt darin, dass sein Ansinnen nicht nur abgelehnt wurde, sondern er auch noch einmal 20 Gulden Strafe zu zahlen habe. Darauf hin versammelt er weitere unzufriedene Bauern um sich und zieht brandschatzend gen Leipzig.

Gut gelaunt ging es dann weiter auf der Skaterbahn Richtung Werder. Auf dem Erlebnishof dort machten wir noch einmal Pause. Leider war das Personal mit Kaffe und Kuchen total überfordert, so dass uns die Zeit davon lief. Verspätet, nach 17.00 Uhr trafen wir dann wieder in Jüterbog ein.

Aber der Tag war ja noch nicht zu Ende. Im Saal vom "Schmied zu Jüterbog" trafen sich ab 19.00 Uhr alle Feierwilligen um gemeinsam mit unserem Radfahrverein das 105 jährige Bestehen unseres Vorgängervereins "Edelweiß" e.V. aus Niemegk zu feiern. Da dieser Verein durch Kriegswirren niemals aufgelöst wurde, hatten wir 2012 in den Archiven gesucht und die Satzung dieses Vereins gefunden. So gründeten wir 2013 unseren Radfahrverein "Fläming-Burgenradtour"e.V. in Tradition des Radfahrervereins "Edelweiß" Niemegk 1911 e.V.

Es hatten sich über 50 Gäste und Gratulanten eingefunden, so der befreundete Radfahrverein Rietz 1905 e.V. und Vertreter der Kur- und Freizeit GmbH aus Bad Belzig. Ein Buffet wartete darauf verzehrt zu werden und zur allgemeinen Unterhaltung traten die Dennewitzer Trachten, unsere Gaukler auf und die Gruppe "Soft" sorgte mit ihrer Musik dafür, dass alle noch das Tanzbein schwingen konnten. Nach dem langen Sitzen im Sattel und auf den Stühlen eine willkommene Abwechslung. So klang dann dieser gelungene Abend gegen 23.30 Uhr aus.



3. Etappe am 03.10.2016

von Jüterbog nach Kloster Zinna und über Dennewitz zurück



3. Etappe der 4. FBRT


Am Morgen des 3.Oktober wurden wir bei bewölktem, aber trockenen Wetter vom Kurfürsten Joachim II. von Brandenburg und seiner Gemahlin Magdalena von Sachsen begrüßt. Besagte Kurfürst war dafür verantwortlich, dass die Reformation ab 1539 auch offiziellen Einzug in Brandenburg und Berlin hielt. So hochherrschaftlich mit guten Wünschen gesegnet, begaben sich am letzten Tag der diesjährigen Tour wiederum 75 Teilnehmer auf die Strecke nach Kloster Zinna. Allerdings wurden einige Umwege in Kauf genommen, da die Verbindung zwischen Jüterbog und Kloster Zinna nur ca. 7km beträgt. Pünktlich um 12.00 Uhr trafen dann alle wohlbehalten in Kloster Zinna ein. Im "Klosterhof" wartete schon eine leckere Kartoffelsuppe auf die Radfahrerer. Jeder konnte sich soviel Nachschlag nehmen, bis er satt war. Auch unsere Gaukler warteten bereits, um uns mit dem Ende der Geschichte um Hans Michael Kohlhaas vertraut zu machen.

- Kohlhaas wurde vor das Gericht nach Cölln (bei Berlin) geladen, um das Urteil zu revidieren. Er gab seinen Mannen auf, sich ruhig zu verhalten und machte sich auf den Weg nach Cölln. Diese hatten aber nichts besseres zu tun, als weiterhin in seinem Namen zu plündern und zu brandschatzen. In Cölln verkündete das Gericht, dass das alte Urteil aufgehoben wurde, er also von Junker Tonka Schadensersatz für das Pferd erhält und Junker Tonka zu einer Strafe verurteilt wird. Damit wäre der Gerechtigkeit genüge getan. ABER - dadurch, dass Kohlhaas Landfriedensbruch mit seine Mannen begangen hatte und diese in seinem Namen weiterhin plünderten und brandschatzten wurde Kohlhaas vom Gericht zum Tode durch das Rad verurteilt und wie die Geschichte zu berichten weiß, auch hingerichtet. Ja Recht haben und Recht bekommen, waren schon damals zwei verschiedenen Paar Schuhe.

Ein Schelm, wer da an heute denkt! ;)

Nach diesem Ausflug in die Geschichte und Literatur, hatten alle noch Zeit, sich das Klostermuseum mit der Schnapsbrennerei anzusehen. Gegen 14.00 Uhr ging es dann mit dem Drahtesel weiter nach Dennewitz. Dort wurden wir von Mitgliedern des Trachtenvereins überaus freundlich begrüßt (man hatte sich erst einen Abend vorher gesehen). Im Gasthaus"Graf von Bülow" warteten bereits liebevoll gedeckte Tische und Kaffee und Kuchen auf uns. Nach der kleinen Stärkung ging es dann in mehreren Gruppen mit Führung zur Hochzeitsmühle, ins Museum für die Schlacht von Dennewitz von 1813 und in die Kirche. Sehr beeindruckt von den örtlichen Gegebenheiten versprachen viele, wir kommen wieder. Von Dennewitz aus ging es dann auf kürzestem Wege zurück nach Jüterbog. Am Mönchenkloster verabschiedeten sich dann alle - alte und neu gewonnenen Radfahrfreunde - und fast alle versprachen im kommenden Jahr in Niemegk bei der 5. Auflage der Fläming-Burgenradtour auf den Spuren der Reformation wieder dabei zu sein.

Als krönender Abschluss entschuldigte sich Petrus für den verregneten 1. Tag und schickte uns einen doppelten Regenbogen!

 

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